Medizinischer Nutzen von Zahnspangen / kieferorthopädischen Behandlungen

Viele Patienten sind verunsichert, seit der Bundesrechnungshof und das Bundesgesundheitsministerium behaupten, dass der medizinische Nutzen von Zahnspangen bzw. kieferorthopädischen Behandlungen nicht erwiesen sei.

Die Sachlage und die Motive der Politik sind ähnlich wie bei vielen medizinisch notwendigen Leistungen. Gleiches gilt zum Beispiel für Sehhilfen / Brillen. Nun suchen Politik und Rechnungshof nach Möglichkeiten, (zum Beispiel wie bei Zahnersatz und Brillen) die Kosten der Kieferorthopädie von der Krankenversicherung auf die Patienten zu verlagern.

Unten auf dieser Seite erläutern wir einige Beispiele der medizinischen Notwendigkeit von kieferorthopädischen Korrekturen: Von Zahnabrieb über Zahnfleischschwund, Karies und Kiefergelenkschmerzen bis zur Degeneration des Kiefers und dem Verlust von Zähnen.

Die IGES Studie

Nach der alten Studien-Devise "Man muss die Daten so lange quälen, bis sie gestehen, was der Aufgraggeber hören will" suchte das Forschungsinstitut IGES im Auftrag des Bundesgesundheitsministers nach Begründungen, um medizinisch notwendige Leistungen streichen zu können. Das IGES und der Bundesrechnungshof begründen die Forderung nach Leistungskürzungen mit der Formulierung "unzureichender Erforschung des medizinischen Nutzens kieferorthopädischer Behandlungen wie etwa Zahnspangen". Angeblich gebe es keine Studien, die einen medizinischen Nutzen belegen.

Solche Studien sind gar nicht erforderlich, weil der Nutzen unübersehbar und auch für Patienten nachvollziehbar ist. Es braucht keine Studien, um nachzuweisen, dass Brillen Fehlsichtigkeit korrigieren. Gleiches gilt für Zahnfehlstellungen.

Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden

Der Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden schreibt: "Sehr wohl existieren ausreichend Studien, die diesen wissenschaftlich belegen. Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie ist derzeit mit der Bewertung dieser Untersuchungen hinsichtlich des Evidenzniveaus befasst. Rein zahnmedizinisch bleibt es bei der Feststellung, dass Zahn- und Kieferfehlstellungen Krankheiten darstellen, die der zahnärztlichen Behandlung bedürfen."

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung

Studien erfordern Placebo-Vergleichsgruppen. Wie stellt sich das Bundesgesundheitsinisterium Placebo-Zahnspangen vor? Wenn es sie gäbe: Welcher Patient erklärt sich bereit, für eine Studie auf eine echte Zahnspange zu verzichten?

Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, erläutert dazu: "Die bemängelte fehlende Evidenz ist wissenschaftlich nur schwer herstellbar. Dies liegt nicht zuletzt an der ethischen Limitation im Zusammenhang mit placebokontrollierten Langzeitstudien, die für eine besonders hohe Evidenz erforderlich wären. Daraus aber abzuleiten, dass kieferorthopädische Behandlungen keinen Nutzen für Patienten haben, ist, wie auch das BMG bereits deutlich gemacht hat, grundlegend falsch."

Fazit

Die Kassenleistungen müssten eigentlich in allen Bereichen erweitert werden, damit auch finanzschwache Patienten ein Recht auf guten Zahnersatz, Brillen, Kieferkorrekturen etc. erhalten. Heute tragen die gesetzlichen Krankenversicherungen lediglich die Kosten, die laut Gesetzestext "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich" sind, und die "das Maß des Notwendigen nicht überschreiten dürfen" (§29 u. 92 SGB V). Das heißt: Zahnextraktion statt Zahnerhalt, Amalgamfüllungen statt Keramik, etc.

Der Gesetzgeber unterteilt Zahnfehlstellungen in „kieferorthopädische Indikationsgruppen“ (KIG). Die Krankenkassen dürfen laut SGB nur KIG der Schweregrade 3 bis 5 übernehmen. Die Schweregrade 1 und 2 sollen unbehandelt bleiben.

Infos der Fachverbände:

Engstand

Der Engstand ist die häufigste Fehlstellung. Der Kiefer bietet keinen ausreichenden Platz, damit alle Zähne an ihrer richtigen Position stehen können. Mehrere Zähne stehen schief.

Kiefer Fehlstellung Engstand

 

Bei vielen Engstand-Patienten ist der Nutzen einer Korrektur in der Tat nicht medizinischer Natur. Es ist in vielen Fällen durchaus möglich, dass die Lebensdauer der Zähne ohne Korrektur ebenso lang ist. Der Nutzen ist jedoch in jedem Fall kosmetisch und psychologisch. Schief stehende Zähne wirken nicht in allen, aber in nicht wenigen Fällen psychisch belastend. Eine Korrektur bedeutet ein schöneres Lächeln. Bei Nahaufnahmen in Talkshows sieht man, dass bemerkenswerterweise viele Politiker auf gerade Zähne und ein schönes Lächeln verzichten. Naheliegend ist eine Korrelation mit einem hohen Selbstbewusstsein.

Lückenstand

Der Lückenstand ist die zweithäufigste Form der Fehlstellungen.

Kiefer Fehlstellung Lückenstand

 

Im Gegensatz zum Engstand ist hier zu viel Platz vorhanden, z.B. durch einen zu großen Kiefer, durch zu früh verlorene Milchzähne, oder durch einen Zahnverlust (nach Unfällen oder einer zu großen Zerstörung durch Karies).

Lückenstände lassen sich am einfachsten behandeln. Es gilt, die Zähne aufeinander zu zu bewegen, um die Lücken zu schließen.

Auch hier ist der Nutzen einer kieferorthopädischen Korrektur nicht medizinisch, sondern kosmetisch und psychologisch. Der Schauspieler Jürgen Vogel und die Sängerin Vanessa Paradis sind Beispiele selbstbewusster Menschen, für die ihre Zahnlücken sogar ein Markenzeichen sind.

Kreuzbiss

Bei einem Kreuzbiss liegen Ober- und Unterkiefer nicht symmetrisch übereinander.

Kiefer Behandlung Kreuzbiss

 

Mindestens ein Zahn des Oberkiefers berührt sein Gegenüber im Unterkiefer an dessen Innenseite. Ein Kreuzbiss führt auf Dauer mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass sich die betroffenen Zähne durch Reibung abnutzen. Die reibenden Kontaktflächen verlieren schützenden Zahnschmelz und sind erheblich Karies-gefährdeter. Auftretende Scherkräfte können bewirken, daß sich das Zahnfleisch zurückzieht und entzündet, und dass der Kieferknochen degeneriert. Langfristige Folgen sind Zahnausfall und Kiefergelenksprobleme.

Der medizinische Nutzen ist nicht bestreitbar. Einen Kreuzbiss aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen, ist nicht nachvollziehbar.

Tiefbiss

Bei jedem gesunden Kiefer überlappen die Oberkiefer-Frontzähne die Unterkiefer-Frontzähne leicht (Norm: 1-2mm). Beim Tiefbiss oder "tiefen Biss" ist diese Überdeckung zu extrem ausgeprägt. Beim "Deckbiss" sind die Unterkieferfrontzähne sogar komplett bedeckt.

Kiefer Fehlstellung Tiefbiss

 

Der Unterkiefer ist beim Tiefbiss nach hinten versetzt, was Auswirkungen auf die sichtbare Form des Gesichts haben kann: Die Oberlippe wird nach vorn gedrückt.

Die Probleme liegen hier neben der Abnutzung der Zähne auch in der Reizung des Zahnfleisches auf der Rückseite der oberen Schneidezähne, da die unteren Schneidezähne oft auf dem Zahnfleisch aufliegen. Auch Kiefergelenksprobleme treten beim Tiefbiss häufig auf. Medizinisch ist eine Korrektur sehr sinnvoll, psychologisch ebenfalls.

Ein prominenter Fall ist Freddie Mercury, der sich gegen eine kieferorthopädische Korrektur entschied. Das kann an der damaligen Nicht-Verfügbarkeit von Alignern oder einem hohen Selbstbewusstsein gelegen haben. Für die meisten Betroffenen ist eine Streichung der Behandlung aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen inakzeptabel.

Unterbiss

Beim Unterbiss überdecken die Unterkieferfrontzähne die Oberkieferfrontzähne.

Kiefer Fehlstellung Unterbiss

 

Der Unterkiefer ist nach vorn versetzt, was auch Auswirkungen auf die sichtbare Form des Gesichts haben kann. Ursachen sind meist ein zu unzureichendes Wachstum des Oberkiefers oder ein übermäßiges Wachstum des Unterkiefers.

Ein Unterbiss verursacht neben der Abnutzung der Zähne auch in der Reizung des Zahnfleisches, vor allem auf der Rückseite der unteren Schneidezähne. Auch Kiefergelenksprobleme entstehen häufig durch einen Unterbiss. Optisch wirkt der vorgeschobene Unterkiefer auf viele Betroffene psychisch belastend.

Daher ist auch hier eine Streichung der Korrektur aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen nicht nachvollziehbar.

Kieferschmerzen? Zahnfehlstellungen?

Wir beraten Sie gern!

Diagnostik und Beratung

Nach einer gründlichen Eingangsuntersuchung beraten wir Sie umfassend über Ihren Behandlungsbedarf und die für Sie geeigneten Behandlungsmöglichkeiten.

Anschließend erstellen wir Ihnen einen so genannten "Heil- und Kostenplan", mit dem wir Ihnen ausführlich die Kosten der Zahnspangen und die Erstattungsfähigkeit durch Ihre Krankenversicherung erläutern.

Behandlung von Fehlstellungen

Oben: drs. Anne-Lise Ruijs erläutert einer unserer Patientinnen "unsichtbare Zahnspangen".

Der erste Schritt

Der erste Schritt zu einem gesunden Kiefer und einem schönen Lächeln ist klein. Ob Ihre Zähne bereit für eine kieferorthopädische Behandlung sind (keine akute Parodontitis, keine Karies), sagt Ihnen Ihr Zahnarzt.

Bitte lassen Sie uns vor dem ersten Beratungsgespräch unbedingt den ausgefüllten Fragebogen für Erwachsene bzw. für Kinder und Jugendliche zukommen. Wir freuen uns auf Ihren Anruf, Ihre Email oder Ihre Nachricht im Kontaktformular!

Kieferorthopäden Behandlung Fehlstellung Tiefbiss

Oben: Dr. Linda Frye erläutert einer unserer Patientinnen ihren Tiefbiss